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Geoghelli : Doctor Faustus Magical Circus – Part II

28/09/2019 19:30

‚Doctor Faustus‘ Magical Circus – Part Two‘ im September

Goethe selbst hielt den zweiten Teil seines ‚opus magnum‘ Faust schlichtweg für unspielbar: zu viele Personen, zu viele Handlungsorte, zu viele Verse – allenfalls ein Lesedrama! In der Tat sperrte sich Faust 2 immer und bis heute gegen eine Aufführung: erst nach einer Bearbeitung durch Eckermann kam das Drama erstmals auf die Bühne, als Goethe schon lange in der Fürstengruft in Weimar schlummerte.

Die Aufführungsgeschichte von Faust 2 ist geprägt von über achtstündigen Inszenierungen, dem grandiosen Scheitern legendärer Regisseure von Max Reinhardt zu Peter Stein und entnervten Schauspielern (Bruno Ganz).

Das alles wäre kein Problem für die motivierten Jungs und Mädels der Gruppe Geoghelli- ‚Spamalot‘-gestählt, ‚Cabaret‘-erfahren, ‚Curtains‘-geschädigt und ‚9to5‘-geimpft stellt auch ein Goethe für sie keine unlösbaren Probleme. Und mit Lingnaus ‚Sommernachtstraum‘ hat man ja auch gezeigt, dass man Klassiker humorvoll, fetzig und aktuell auf die Bühne bringen kann.

Doch auch die Gruppe Geoghelli entkommt dem Fluch des guten Dramas nicht: die geplante Inszenierung als Musical (‚Doctor Faustus‘ Magical Circus – Part Two‘) bedingt eines nicht unwichtigen Details: Musik!

Deutschlands erfolgreichster Komponist, Martin Lingnau (‚Heisse Ecke‘, ‚Das Wunder von Bern‘, ‚Der Schuh des Manitu‘ u.v.a.) hat zu ‚DFMC-II‘ als work-in-progress bisher nur eine Klavierpartitur anzubieten. Für ein professionelles Theater wie die ‚Landesbühne Württemberg Esslingen‘ kein Problem, verfügt das Haus doch über Arrangeure und Musiker, die live die Aufführungen begleiteten.

Geoghelli verfügt leider nicht über diese Möglichkeiten. Da uns aber eine reine Klavierbegleitung nach Jahren mit Profi-Playbacks aus den USA recht dürftig erschien, entschieden wir uns dafür, ein eigenes Playback nach unseren Wünschen und Vorstellungen einzuspielen. Claude Dengler und Sid Scho reißen sich die Schaltkreise auf und vollbringen das Wunder. Aber wie jeder weiss: das Unmögliche kriegen wir sofort hin, Wunder dauern etwas länger…

Und damit das Herz von ‚Petz‘ Engel nicht weiter Purzelbäume schlägt, die Schüler der Geoghelli-Gruppe auch noch ein wenig für die Schule lernen können und vor allem damit unser Publikum ein Musical in gewohnter Qualität geniessen kann, dem Geoghelli seinen unverkennbaren Stempel aufgedrückt hat, verlegen wir die Premiere von ‚Doctor Faustus‘ Magical Circus – Part Two‘ in den September.


Die neuen Aufführungsdaten:

Mittwoch, 25. September 2019: 19.30 Uhr – Premiere im Festsaal des LGE

Freitag, 27. September 2019 : 19.30 Uhr – Abendvorstellung im Festsaal des LGE

Samstag, 28. September 2019 : 19.30 Uhr – ‚Dernière‘ im Festsaal des LGE

Aufführungsdaten Escher Theater folgen.


Wer aber nicht so lange warten möchte: ‚sneak-previews‘ (mit kompletter Bühne im LGE) gibt es am

Samstag, 4. Mai 2019 – Porte Ouverte im LGE

Donnerstag,13. Juni 2019 – Meilleurs élèves et élèves méritants im LGE

Mittwoch, 3. Juli 2019 – Remise des diplômes 1ère  – Maison du Savoir Belval


Die Vorbestellungen laufen über Internet (www.lge.lu) oder per Mail an geoghelli@lge.lu oder telefonisch 55 62 85-238



Rückkehr des Martin Lingnau

Mit Musicals von Martin Lingnau begründete die Gruppe Geoghelli aus deem LGE ihren ‚Ruhm‘ als Musical-Truppe. ‚Heisse Ecke‘ machte den Hamburger Kiez bekannt und ‚Sommernachtstraum‘ basierte auf dem Werk von William Shakespeare. Aus der Feder von Martin Lingnau stammen auch solche Mega-Musicals wie ‚Der Schuh des Manitu‘, ‚Das Wunder von Bern‘ und zahlreiche weitere Bühnenwerke und Shows für die AIDA-Flotte. Zusammen mit Wolfgang Adenberg, dem bekanntesten Übersetzer der deutschen Musicalszene und Autor zahlreicher eigener Werke, hat Lingnau nunmehr Goethe sich vorgenommen, und zwar den als unspielbar geltenden Teil 2 der Tragödie.

Neben einer Aufführung in Esslingen wird das Musical in Esch erst zum zweiten Mal inszeniert.

Als der Teufel Eckermann verführte

Man hat diesen Herrn schon vor Beginn der Vorstellung gesehen, im Publikum, ungewöhnlich gekleidet, verdächtig theatralisch. Nun wundert man sich nicht, als er durch die Seitentür den Saal betritt und auf die Bühne steigt. Er stellt sich vor als Professor Mathias Eckermann, Nachfahre von Johann Peter Eckermann, dem Freund des späten Goethe. Auch der zweite Eckermann ist ein gelehrter Dichter, sehr darum bemüht, den Einfluss seines Ahnen auf den großen Goethe herauszustellen. Er zieht ein Bändchen aus der Tasche, einen Dachbodenfund, verfasst angeblich von diesem Ahnen, ein Schlüssel zu „Faust II“.

Im zweiten Teil der Tragödie besucht Faust die Walpurgisnacht, heiratet Helena, zeugt mit ihr einen Sohn, wird zum Unternehmer von zweifelhafter Moral und zuletzt doch erlöst, weil es das ewig Weibliche ist, das ihn hinan zieht. Goethes Spätwerk ist bekannt als schwer beladen und schwer umsetzbar; Inszenierungen des Stoffs erstreckten sich meist über viele Stunden.

Zur klassischen Walpurgisnacht geht es natürlich ins Bordell

Martin Lingnau, der gemeinsam mit Wolfgang Adenberg die Musical-Fassung schrieb, ­hat große Teile des Textes gestrichen und durch Pop-Songs ersetzt. Geblieben sind nur die wirkungsvollsten Zitate, hinzu kommen kurze Einfälle von Monty Python und aus dem Lande Oz. Fantastische Kostüme für Hofstaat, Hexen, König und Homunculus und eine spektakuläre Bühne gehören schon zum Markenzeichen der Gruppe Geoghelli.

Mephisto heißt nun sehr kurz Fizz, aus Faust wird Dr. Johnny Faustus, Tänzerinnen wirbeln aufreizend um ihn her. Zur klassischen Walpurgisnacht geht es natürlich ins plüschige Klischee-Bordell. Über der Bühne, auf der all diese Wunder geschehen, steht in großer, geschwungener Schrift: „Doctor Faustus’ Magical Circus Part II“ – und gesungen wird natürlich stets auf Englisch. Kurz: Aus dem Welttheater wird Varieté. Und es gibt auch Werbeblöcke: In düsteren Gewölben verkauft Mephisto zwischendurch der heillos schrubbenden Lady Macbeth ein Wundermittel gegen die Blutflecken auf dem Gestein. Jesus, beim Abendmahl, hat schließlich selbst genug vom trocken Brot; Judas stiehlt sich davon, geht Döner holen.

Dieser „Faust II“ will eine Art „Rocky Horror Picture Show“ sein und ist es es auch, sehr unterhaltsam. Dankbar darf der Zuschauer sein für das Programmheft, das die Handlung des Originalstückes knapp zusammenfasst und einen kleinen Überblick gibt über die ­unzähligen Gestalten, die über die Bühne hasten.

Die Handlung läuft im Zeitraffer

Eckermann, Fizz und Faustus sind die einzigen, die hier nur eine Figur verkörpern – weitere Schauspieler und Tänzerinnen spielen jeweils bis zu sechs Charaktere ­zugleich. Die Handlung läuft im Zeitraffer, Prof. Mathias Eckerman stolpert immer wieder auf die Bühne und will das Chaos klären – Mephisto knirscht mit den Zähnen und möchte ihn dafür würgen. Schließlich wird der Gelehrte geknebelt, herumgestoßen und zur Ader gelassen: Sehr unfreiwillig unterschreibt er seinen eigenen Pakt mit dem Teufel.

Verehrer Goethes seien vor diesem Faust gewarnt. Das Zielpublikum dieser Inszenierung isst in der Vorstellung möglicherweise Popcorn mit und hat seinen unheiligen Spaß mit dem Klassiker.